SÜLFELD - ONLINE
SÜLFELD - ONLINE

Sülfelder Gutsbrennerei

Punkt 5 - Dorfkern

Als sich nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges die Familie Hans Lübbecke in Sülfeld ansiedelte, stand über Jahrzehnte die landwirtschaftliche Bewirtschaftung des 400 Morgen großen Gutes im Vordergrund.  Erst im Jahre 1706 wurde der Grundstein für die landwirtschaftliche Schnapsbrennerei gelegt.  Dabei war es von Beginn an das Ziel, in der Brennerei als Rohmaterial nur Roggen und Weizen zu verwenden, der entweder von den eigenen Ländereien kam oder von den im Ort ansässigen Bauern angeliefert wurde.

Das Korn schüttete man in einen großen Kessel wo es bei etwa 60 Grad gedämpft und zur Keimung gebracht wurde.  Danach pumpte man die Masse - korrekter ist die Bezeichnung Maische - in einen Gärbottich, um dann nach einigen Tagen den Destilliervorgang einzuleiten und so den begehrten hochprozentigen Alkohol zu gewinnen.  Zurück blieb die sogenannte Schlampe, die sich als hochwertiges Futtermittel für Kühe und Mastvieh großer Beliebtheit erfreute.

Etwa zwei Drittel des hochprozentigen Alkohols, auch Rohsprit genannt , erhielt das Monopolamt zur Weitergabe an chemische Fabriken, Apotheken und Drogerien.  Ein Drittel des Rohsprits wurde durch eine nochmalige Destillation weiter gereinigt und danach zur Herstellung von Korn und Likör verwendet.

Über ein Jahrhundert sollte jedoch seit der Gründung der Brennerei noch vergehen, ehe der Sülfelder Korn auch in der weiteren Umgebung seines Herkunftsortes zu einem Begriff für Qualität geworden war.  Mit der Errichtung des Herrenhauses auf dem Gutshof im Jahre 1834 baute Friedrich Hermann Lübbecke auch ein neues Brennereigebäude und schaffte so die Voraussetzung für die Erweiterung der Brennkapazität und damit eine Erhöhung der Herstellmenge an Alkohol.

Der endgültige Durchbruch der Sülfelder Kornspezialität gelang jedoch erst unter der Leitung von Julius Bartels, der die Ländereien und die Kornbrennerei im Jahre 1911 als Pächter übernahm.  Er modernisierte den Brennereibetrieb und schaffte damit noch eine weitere Steigerung der Korn- Produktion.  Schon bald war der Sülfelder Korn in den Grenzen des heutigen Niedersachsens und sogar darüber hinaus ein Begriff für Qualitätskorn, nicht zuletzt auch deshalb, weil Julius Bartels und seine Mitarbeiter stets bemüht waren, die Kundschaft mit exzellenter Ware und guter Betreuung zufrieden zu stellen.  Bis zu seinem Tode im Jahre 1960 leitete Julius Bartels den Betrieb.  Der letzte Pächter des landwirtschaftlichen Gutes mit Brennrecht war sein Enkel Günter Bartels, der jedoch den Betrieb am 1. Juli 1968 an den Eigentümer Hermann Lübbecke - Grünhagen übergab.

Noch weitere 14 Jahre wurde auf dem Gutshof der Korn von Brennmeister Siegfried Meidinger gebrannt und zu Jagd-Korn, Kümmel, Eis-, Weizen-Korn , Jägertropfen und einer Reihe anderer Sorten verarbeitet.  Doch im Jahre 1982 stellte sich die Frage,

entweder in neue moderne Anlagen zu investieren oder den Brennereibetrieb einzustellen und das Feindestillat aus einer anderen Quelle zu beziehen.

Man entschied sich für das letztere und beschränkte sich fortan auf das Mischen der einzelnen Korn - Sorten nach bestehenden Rezepturen und auf den Vertrieb.  Mit mäßigem Erfolg wie sich bald zeigen sollte, denn Ende der Achtziger Jahre schien das Ende der Traditionsmarke Sülfelder Korn besiegelt.  Der Betrieb konnte dem durch den Wettbewerb erzeugten Kostendruck nicht mehr Paroli bieten und es gab daher Überlegungen, die Herstellung des Sülfelder Korn völlig einzustellen.

 

Doch mit diesem Gedanken mochten sich einige alteingesessene Sülfelder nicht anfreunden und so wurde die Aktion: "Rettet den Sülfelder Korn! ins Leben gerufen die dazu führte, dass sich schließlich 20 interessierte Sülfelder Bürger im Jahre 1989 zu einer Kommanditgesellschaft zusammenschlossen und den Betrieb von Hermann Lübbecke-Grünhagen für einen Zeitraum von 20 Jahren pachteten.

Nicht zuletzt durch den unermüdlichen Einsatz von Elisabeth und Hubert Sprenger, dem ehemaligen Brennmeister Siegfried Meidinger und auch von Pastor Leupold und später Marlis und Bernd Ertzsänger hat der Sülfelder Korn in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebt, die ihresgleichen sucht.  Neue Sorten mit interessanten und wohlklingenden Namen wie Golfstrom, Sülfelder Feige, Exotika Korn und viele andere mehr wurden nach neuen Rezepturen gemischt und inzwischen sind es pro Jahr über 10 000 Liter reinste hochprozentige Roggen-und Weizendestillate, die zu mehr als 30 000 Litern Korn in unterschiedlichsten Varianten verarbeitet werden.

Nicht nur wohlklingende Sortennamen , auch die Etikettierung und die ansprechende

Form der Flaschen tragen dazu bei die Marketingphilosophie zu stützen, dass das Auge zum Kauf angeregt werden soll.

Die Bestätigung, dass es die richtige Kaufentscheidung war, wird ohnehin später vom edlen Inhalt der Flaschen , dem Sülfelder Korn, gegeben.

Nunmehr blickt die Brennereif auf eine über dreihundertjährige Familientradition zurück. Seit 1706 ist die Familie Lübbecke-Grünhagen im Besitz des Brennrechts und stellt an unserem Stammsitz in Sülfeld hochwertige Spirituosen her. Die Brennerei hat sich über die nächsten Generationen positiv weiterentwickelt,  sodass die Sülfelder Brennerei zu den größeren Produzenten in Niedersachsen zählte. Heute ist sie immer noch im Betrieb des wohl ältesten Brennereigebäudes Deutschlands und beliefert ausgewählte Märkte wie EDEKA, Famila, real,- und REWE-Märkte.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Sülfeld

Diese Homepage wurde mit 1&1 IONOS MyWebsite erstellt.